n
Verletzungen 'größerer NetzhautO"efäße und konnte sich her nicht
einbürgern. Dazwischen b waren aber noch viele Iere Gedanken zur Beseitigung der AbhebunO"
in die Tat .gesetzt worden: Die Durchtrennung der Art~iae ciliares st, breves
zur Umlenkung der myopischen VeränderunO"en die Richtung der
Aderhautatrophie, die ja in einem ge .sen Gegensatz zur Netzhautabhebung
steht, oberflächliche I durchbohrende Kauterisationen, Einführung von Platin
en: Punktionen mit der Diszissionsnadel, alles nicht plan e Versuche,
sondern wohlüberlegt und von führenden danken geleitet. Sie erfüllten ganze
Jahrzehnte der selbst ndigen operativen Tätigkeit von S a c h s. Diesem un
er dlichen Kampfe ist es zuzuschreiben, daß er es doch zu 18 % Dauerheilungen brachte unter Einrechnung aller
:'egangenen
Fälle, worunter auch solche waren, die Von nherein als' ganz und gar
aussichtslos bezeichnet werden l'Sten, ja unter Hinweglassung dieser Fälle
ein Heilungs : Von 23'7 % erzielt wurde, der für die damalige Zeit außerordentlich hoch
bezeichnet werdr-n muß.
Alleinstehen
und scheinbar aussichtslos weiterkämpfen, ;t von viel höherer Wesensart und
wissenschaftlicher ~rzeugung, als abseits bleiben und billige Kritik üben.
Das
eigentliche wissenschaftliche Forschungsgebiet von : h s aber war die
Physiologie und Pathologie des Sehens, Studium der Erscheinungen der
Augenmuskellähmungen, Schielens und ähnlicher Probleme. Für diese Arbeits-
Itung war
seine Steliung als Assistent am physiologischen titut der deutschen
Universität in Prag vom Septern- 1890 bis Dezember 1892 unter Hering ausschlaggebend. eh s ist als Schüler H er i n g s zu bezeichnen. He ri n g
sein großes
Vorbild und H e ri n g s Forsch ungsrichtung ) S a c h s 'sein ganzes Leben
treu. S a c ? s verehrte H e g tief und aufrichtig. Schon aus dem Institute VOn r
in g erschienen mehrere physiologische Arbeiten Von
h s: Über die
spezifische Lichtabsorption des gelben .kes der. Netzhaut, über den Einfluß
farbiger Lichter auf v. eite der Pupille, mit Pr e tori zusammen messende
:rsuchungen Jes farbigen Simultankontrastes und andere chungen in diesem
Gebiete der Sinnesphysiologie setzte .ann selbständig als Assistent der
Klinik F u c h s (ab iber 1894) und als Privatdozent (1899) und später als
essor (1911) unentwegt fort i eine Ar~eitsrichtung, die de seines Chefs F u c h s ferü1ib lag und
ihm, seinem en entsprechend, unabhängiges Denken und Forschen utete, Es ist hier nicht möglich, auf den
Inhalt der vollen Beiträge des Genaueren einzugehen. die S a c h s
1 seine Arbeiten für das Verständnis der
Erscheinungen, 'sondere beim Schielen, bei den Augenmuskellähmun_ lISW., geliefert hat. Ich hatte als junger Anfänger die
, von S a c h
s für eine Reihe von Untersuchungen sinnes ,ologischer Art beigezogen zu
werden. Wenn die aus n oft recht mühevollen und zeitraubenden gemeinsamen
rsuchungen hervorgegangenen Arbeiten auch meinen .n mittragen, so weiß
niemand besser als ich, wie ge igig meine Mithilfe dabei gewesen ist. Die
zuerst ge -chaftlioh mit Wl ass a k durchgeführten Untersuchungen
d.e optische Lokalisation der medianen Ebene 11 zur weiteren Verfolgung ähnlicher Gedanken: Uber iptische Orien lerung
bei Neigung des Kopfes gegen )chulter, über 'die optische und haptische
Lokalisation -Jeigungen um die .Sagittalachse un~ schließlich über itümliche
Lokalisatlonsformen In ernem Falle hoch ger Netzhautinlwngruenz. Man muß
nur wissen, welche
:
Schwierigkeiten solche Untersuchungen in einer
; bereiteten,
deren Betrieb durch die ungeheure Zahl ährlich neu ankommenden Patienten (über 22.000) und
Jnterricht einer sehr hohen Zahl von Studenten, die .ssistenten tatsächlich
den ganzen Tag über nicht Zur kommen ließ. Erst die Nachtstunden konnten zu
diesen ;;uchungen verwendet werden, namentlich auch des I, weil bei den ärmlichen und beschränkten Raumver ssen der Klinik eine absolute Verdunkelung des Raumes,
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ß23
|
die zur
Ausführung der Untersuchungen benötigt wurde, untertags gar nicht zu erzielen
war. So mußte die Nacht unser Freund werden. Da ferner die Untersuchungsräume
untertags wieder dem klinischen Betriebe dienen mußten, waren wir gezwungen,
die oft: komplizierte Versuchsanord_ nung jeden Abend neu aufzubauen und dann
wieder abzu räumen, was immer viel wertvolle Zeit gekostet hat. Es
gehörte wahrlich viel Begeisterung dazu, solche Studien unter den
geschilderten Verhältnissen zu betreiben. Aber S ach s hatte diese eben und
damit wurden alle Hindernisse gemeistert. Oft traten dann durch äußere
Umstände er zwungene Pausen in den Arbeiten und in der gedanklichen
Verarbeitung der gefundenen Beobachtungen ein. Wie schwierig war es dann,
sich wieder in das Thema hinein zufinden, wie schwierig war es schließlich,
den spröden Stoff sprachlich zu meistern, um ihn treffend und allen ver
ständlich darzustellen. Da wurde oft an einem einzigen Satz tage-, oder
besser gesagt, nächtelang gefeilt, da haben wir uns wirklich, wie Ho r a z es
beschreibt, oft den Kopf ge kratzt und die Nägel bis auf das Fleisch
gebissen, und oft mußte man den Griffel umkehren, das heißt das schon Auf
gesetzte ausstreichen und von neuem beginnen, um Wür diges zu schaffen:
Saepe caput scaberet vivos et rod erd ungues. Saepe stiJum vertas,
iterum (luae digna Jegi sint Scripturus.
Ganz
meisterhafte Kabinettstücke S a c h s'scher Arbeiten der jüngeren, durch die
Not der Zeit mehr auf die
praktische Ausbildung eingestellten Generation, die für diese Stoffe
kein Interesse aufbringt, wenig bekannt, zumal da diese Arbeiten aus einer
Zeit stammen, wo noch nicht nach einem famosen Beschluß am Ende der Arbeit
eine Zu- , sammenfassung gebracht werden mußte, damit vielbeschäf- . tigte
Herren nicht gezwungen sind, die ganze Arbeit zu lesen und, wenn nicht leicht
verständlich - zu studieren _ ergaben sich aus den Studien über das Sehen der
Schielenden, über das Alternieren der Schielenden, über den Tastversuch, über
die Frage der Mikropie, über Blick- und Kbpfbewe gungerr, über
labyrinthäre··Störungen der BIickbewegungen und vieles andere dieser Art. Aus
den letzten Jahren seien noch die besonders ;;eistvollen Ausführungen über
das Schielen und Stottern angeführt. Es bleibe nicht unerwähnt, daß die von
Alexandcr und B:lrany in der Zeitschrift für Physiologie und Psychologie der
Sinnesorgane erschie nenen Arbeiten nPsychophysiologische Untersuchungen
über die Bedeutung des Statolithenapparates für die Orientierung
im Raume an Normalen und Taubstummen· auf eine An regung von S a c h
s ausgeführt worden sind.
Außer dieser reichen wissenschaftlichen Tätigkeit war S ach s
zeitlebens auch in mancher anderer Beziehungauf bauend tätig. Daß in Wien
eine ophthalmologische Gesell schaft zustande kam, ist hauptsächlich auf das
Betreiben von S a c h s und seiner tätigen Mithilfe zurückzuführen. Er hat
die Augenabteilung bei den Barmherzigen Brüdern neu eingerichtet und kurze
Zeit später die Augenabteilung im \Viedner Krankenhaus übernommen (l!ll-l), modern aus gestaltet und dort bis heute eine außerordentlich segens
reiche .:Tätigkeit entfalret, unterstützt von einer Reihe tüch-
tiger Arzte und Arztinnen, die
sich der S a c h s'schen ,_
Führung mit Begeisterung hingaben. Schon im Jahre 1917
war S a c h s
in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Ver dienste zum wirklichen
außerordentlichen Professor ernannt worden, auch der Hofratstitel wurde ihm
verliehen ..
Wenn er nun auch mit dem gesetzlichen Alter von seiner geliebten
Arbeitsstätte Abschied nehmen muß, so übertrifft
S a c h s auch heute noch so manchen an Jahren viel Jüngeren durch
seine seit Jahrzehnten unverändert ge bliebene Arbeitskraft und
Arbeitsfreude. Heute, an dem \ Tage, da S a c h s sein 70. Lebensjahr, einen Abschnitt seines \ Lebens voller
Arbeit und Erfolge beendet, gedenken seiner . in Treue. Freunde und Schüler
und senden ihm auf seinen Ansitz, wo 'er' seit] ~h;zehnt!!n inJändlicher
Stille im Kreise
...
|
/=
uchtige _und. angesehene Ärzte
geworden sind, so ver anken sie diesen Erfolg ihrem unmittelbaren
Vorzesetzten. st der junge Schüler ein aufnahmsfähiger und ~ertvoller Iensch,
so spiegelt sich in ihm sein Leben lanc- der Ein uß des Lehrers. Die Früchte
nehmen den Geschmack des lodens an, auf welchem sie gewachsen sind. sagt Sc h
0 P e n . a u e r und V~' 2000 J ahren ermahnte Ho ra z in
gleichem -mne die römische Jugend mit reinem Herzen sich früh eitig
den guten Lehren hinzuO"eben, denn
Quo semel est imbuta rec~ns,
servabit odorem Testa diu.
S a c h s verstand aber auch, unter der
heranwachsenden ugend Weizen von Unkraut nach kurzer Zeit zu unter .heiden,
und in strenger Disziplin machte er mit störenden [ementen raschen Schluß,
wohl wissend. daß Alles zu ssig wird, was in, ein unreines Gefäß gegossen
wird:
Sincerum est nisi vas,
quodcumque infundis, acescit. Allzu leicht freilich vergißt der Junge, was er
von dem Iteren gelernt hat, nicht immer nur aus Undankbarkeit, -ndern weil er häufig es gar nicht mehr weiß. was er les von ihm gelernt hat.
Als ich im Jahre 1908 meine phthalmic Surgery niederschrieb, war es mir nicht
anders ö~lich, als in summa im Vorwort dem seinerzeitigen ersten sststenten S
ach s, dessen Arzteschaft ich als Anfänger , der Ophthalmologie zugeteilt
gewesen war, den Aus ruck meines Dankes und meiner Ergebenheit abzustatten. -enn bei jedem
Verfahren, das ich beschrieb, war es mir nm er wieder klar, einen großen Teil
der wertvollen Einzel eiten Von S a o h s gelernt zu haben, nicht in irgend
welchen orlesungen, sondern durch das Zusehen und Mithelfen bei .inen
Eingriffen. Sach s war - darüber gibt es nichts zu den - gewiß der beste
Operateur unter allen Schülern in F u c h s. Aber was ihn besonders
auszeichnete, war cht die ihm von Natur gegebene technische Fähigkeit iner
Hände, sondern der Geist, der das Messer lenkte und -n einer Sekunde zur anderen das weitere Vorgehen be
mmte, je nach Bedürfnis ändernd und neues schaffend. r ht zufällig wurde er
nach seinem Austritte aus der Klinik r am meisten gesuchte und beschäftigte
Operateur. Zu .sem Erfolge hat noch ein dritter Umstand beigetragen: .in
Optimismus. Dieser ließ ihn noch Fälle angehen, wo 1 anderer, weniger hoffnungsfreudig, weniger geneigt, sich schwierige
und gewagtet'e-Unternehmen einzulassen, oder .h vermeintlich einer .Mühe ohne
Zweck" zu unterziehen, .h zurückgezogen hatte. Ja anfänglich waren es
gerade [ehe Fälle, die ihm den Ruf des den Anderen Weitüber ~enden eingetragen
hatten, wo er die von ihm gestellte te Prognose durch seinen Operationserfolg
bewies, wäh id Andere Von dem Eingriff abgeraten hatten.
Es ist begreiflich, daß sich
diese besondere Begabung
r operativen Tätigkeit in einer
ganzen Reihe von wissen raftliehen Veröffentlichungen zum Ausdruck brachte. Seine
.te Arbeit aus diesem Gebiete betrifft einen Bericht im Ire 1898 über 'den
Gebrauch von Sideroskop und Riesen .gneten, welche beide Instrumente im
Jahre 18!J5 auf der inik F u c h s zum ersten Male in Anwendung gezogen -rden waren. Diese Arbeit ist die einzige ophthalmologische hülerarbeit von
S a c h s, da ihm das Thema von E. F u c h s r Bearbeitung und zur
Berichterstattung übergeben worden .r. Im Jahre 1\:103 teilte S ach s in der Münchner
Medi iischen Wochenschrift seine von ihm erdachte Durch IChtungslampe mit,
die rasch Eingang in den augenärzt hen Gebrauch fand und seither unter dem
Namen der eh s'schen DurchleuchtulIg-slampe allgemein in Anwen-
Ig steht. Schon früher hatte S
ach s auf die Möglichkeit gewiesen, mit Hilfe der Durchleuchtungslampe
intraoku ~ Fremdkörper sichtbar zu machen. So war es durch c h s möglich
geworden, nichtmagnetische Fremdkörper
dem ·GlaskÖrperraum durch einen Einschnitt in der
era herauszuziehen und damit die Augen zu erhalten, irend früher solche Augen
ohne Ausnahme rettungslos loren waren. In jener Zeit beschrieb er auch die tempo,
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"tnn:,· lllCllIZUlJSCIIC W ocheusclu-nt 1:):$;)
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Nr.23
|
räre Narbentrepanation zur Lösung Von vorderen
Synechien ein Verfahren. das mir Wiederholt ganz vorzöztiche Dienst: geleistet hat;
ferner auch das von ihm erso;nene und er probte Verfahren der Präparation
eines einheitlichen Haut lappens mit Hilfe der Iridektomielanze zur Deckung
größere . Defekte bei Lidplastiken : eine Methode, von der ich aucl beute nur
beste Erfolge zu berichten vermag. Der Festschrif für F u c h s im r abre 1921 widmete S a c h s sein
'bis dahir noch von Niema'nd versuchtes Verfahren der transpalpebraler:
Eröffnung der vorderen Kammer. Schon im Jahre 1n15
hatte er darüber die erste Mitteilung erscheinen lassen. Nur ein Meister der
Technik wie S a c h s konnte der sich auf diesem v.,' ege entgegenstellenden Schwierigkeiten Herr werden. Eröffnung des
Auges von jenseits des Bindehautsackes aus, so daß von diesem aus keine
Infektion der Augenwunde eintreten kann, war die Idee des kühnen
Unternehmens.
Im Jahre 1925 brachte Sach's ein Von ihm neu
ersonnenes Verfahren zur operativen Beseitigung des Blepharospasmus senilis.
Es besteht darin, daß ein Teil des Levator palpebrae: als Gegenwirker des
Orbicularis in eine durch Durch trennung: der Fasern des Orbicularis gesetzte
Lücke eingenäht wird.!
Für ganz besonders verdienstvoll aber erachte ich
den i Kampf, den S a c h s hier in
Wien durch Jahrzehnte allein für; die Operation der Netzhautabhebung geführt
hat. E. Fu c h s' stand der Netzhautabhebung
thempeutisch nihilistisch gegen.:, über. Ich habe schon einmal in der
Ophthalmologischen Gesellschaft in Wien auf. die damaligen Zustände in dieser
Hinsicht hing-ewiesen. "Bei der Überfülle an operativem Material für
Star- und Glaukomoperationen waren die Pa tienten mit Netzhautabhebung keine
willkommenen Gäste an der Klinik, Man wußte eben aus Erfahrung, daß die
Behandlung dieses Leidens so gut wie aussichtslos ist .. Schwere Fälle wurden
daher als unheilbar von. vornherein' abgewiesen, Fälle, die ein etwas
günstigeres Bild boten,' wurden der gewöhnlichen schematischen Behandlung
zuge-' führt: SChwitzkuren, Druckverband, subkonjunktivale Koch
salzinjektionen, auch Einreibungen mit grauer Salbe. Der Erfolg war - wie wir
heute sehr wohl verstehen. können _ so gut wie immer Null. Dann wurde der
Patient _. meistens ohnehin schon psychisch zermürbt durch die lange und oft
quälende, schmerzhafte Behandlung - mit der Trostsalbe U:1g. kal.jod.
ungeheilt wieder entlassen. Gelegentlich wurden vereinzelte Punktionen mit
dem G r a e f e'schen Messer ver sucht, auch Absaugung der Flüssigkeit mit
der Spritze, auch mit Wiedereinspritzung der Flüssigkeit in den Glaskörper,
und das so gut wie immer negative Ergebnis bestätigte nur die rihilistische
Einstellung, weiter nichts mehr zu unter nehmen. Durch den Sieg der Leb e
r'schen Anschauung, daß die Netzhaut infolge der Schrumpfung von Häutchen an
ihrer inneren Oberfläche abgehoben worden sei, wurde die Überzeugung, daß die
Behandlung einer Abhebung von vornherein aussichtslos sei, scheinbar fest
begründet.
In allen diesen Jahren vollständiger Apathie und
stumpfer Resignation diesem Leiden. gegenüber bemühte sich S ach s in seinem
schon vorher gekennzeichneten Optimismus ungebrochenen Mutes um die
Ausgestaltung der operativen Behandlung der Abhebung. Alle offenen und
versteckten Kritiken konnten ihn nicht davon abbringen, unablässig und
systematisch weiter zu arbeiten. Und da er doch, der Theorie zum Trotze, in
einer gewissen Anzahl L von Fällen, oft nach vielen Eingriffen, eine
Dauerheilung erzielte, so mußte sich seine Uberzeugung aufrecht erhalten und
weiter stärken: es müsse doch einmal gelingen, auch
in einer größeren Prozent zahl von Fällen die
Heilung zu erzwingen. Im Jahre 1907 trat er für eine .. ausgiebige Inzision
der Sklera im Abschnitte hinter dem Aquator des Auges ein, konstruierte sich
dazu ein eigenes Sichelmesser und
es ist einem heute ja klar, daß er damit bei
gewissen Fällen die uns heute wohlbekannte Abriegelung der Abhebung er
reichte, damit sie nicht weiter nach rückwärts gegen die zum Sehen wichtigen
Abschnitte des Auges vordringen könnte. Das Verfahren hatte aber den Nachteil
der Gefahr
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Wicuer Medizinische
W ochenschrllt 1933
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624
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Nr.
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trntionen, das heißt
größeren Mongen Liquors im Vcrh nlssc ZUr
Konzentration der Goldsot:!üsung, vollsltll1di:..( weiß cntlürbt, lind erst hei den stürkcrcn. Vcrdüuuun erfolgt der Farbenumschlag über 'hellblau, blau usw. zu Im schrHtlichcn Befunde wird dies entweder graph i durch eine ganz Iypischc stufcnförI1lige Kurve, die :-,c nannte "Paralysdwrve" ausgedrückt, oder 'durch
Zilll clwu 66(;6321. '
Allmählich
gcrüt der Kranke in das sogenannte 1 li als Lad i
u 111, in welchem
nunmehr der Ncur astlu Ircmuc, für Paralyse bereits chnrnkteristischc Symplo
zunächst andeu tungswcisc, im wei tcrcn Ver-laufe i II im; stärkerem Ausmaße zur Beobachtung gelangen.
Die He i z
bar k ci t nimmt zu
und führt zu Enllnr gen,' deren
Form und Intensität in schroffem (;rgl'lIs nicht nur zur jeweiligen, of'l ganz nichligen Vcr anl nssu ursache, sondern vor allem zu der sonstigen psych i:«; Per-sönlichkeit des Kranken steht. Ein vor-dem sel'lellsg Mann, mit
tadelloser "Kindel'sluhe" und Umgnugslor:
Hißt sich zu Sc h i m p lrcdc n und Ausdrücken hi nrr-i ßcu. w i.r sie ctwu n u s dem Mu n dc c i nrs hcLru n k c ncn Seil' Iulu-wcrk skutschcrs zu h örcu hcJU)JlJIIIl'll, ja :1Il-cll ZII lirihkcitcn. l icsondcrs kounzcichncnd isL dabei etwas, sich nun wie ein roler Faden durch !!oie Klinik der I'ar<l
vorfolgen lü ßl.: die m a n g cI u d c
Einsichl. Der KrI empfindet,
SObald der Zornausbruch verpuffL ist, w'! neue, noch
Verlcgcnhe.il; Cl' Ii ndct überhaupt nichts all lcnclcs an diesen rollen Szenen, ist sich dieser
seiner I r-aktorvcrändcruug nicht
bewußt. Dasselbe hißt
sic.h" züglich einer zwci l cn Arl von paralytischen Sym ptu sagen, von der zunehmenden Zer s LI' c u L h eil und 1 ge ß li c h k c i l. Dem Kranken
widerfahren eine Heilil~' Zerslreulheilsaklen, deren jeder einzelne für
sich!'
tr achtct, auch jedem Cesllndcn p assi cr-cn k öuut c. Bez,' ncncl isl erstens die sliindi,g und rapid anwachsende I L'I k ci l
derartiger Vorstöße, zweitens die mangelnde
Eins der Kranke merkt gar nicht, daß Cl' vc rgcßl ich gC\\'li sei, macht sich danüber keine Gedanken,
versucht ('s I; durch ullcrlci mnemotechnische l\.lInstgrirre gegen dit'; g('ßlichkeit sich zu schützen. Der Krnul«: liWl heim!
lassen seiner \Vohnung cli« Türe uuvcr-spcrrt, vcrgil; das Lichl abzuschalten, zahlt bei einem
kleinen Einl mit einer gr ößcrcn Banknote und cutlernt sich, ohne Restbelrag
sich herausgehen zu lassen, Iühr t auf der, ßcnbalm an der ll altestelle vorüber,
an der Cl' hülle: steigen sollen, gehl in mangelhal'ler Toilelle
auf die St lrügl wichtige Korrespondenzen
lagelang mit sich lH sl a.l L sie zur Post zu
bef'ordcrn u. dg1. Von diesem ) lassen des
Gediichlnisses werden anfangs nichl alle sl cllungcn in gleichem Ausmaße in i\lillcidenschart gez Allgc:woI1l1Ie., sozusagen
"ausgesehlirrl'lle" Buhneu 1111 uiorcn noch
tadellos, währcucl das Gcdüchtnis für:
Daten frisch erworbene Kcunl nissc 115\\'. schon llll'[ gelillc'n hat. Es isl daher eine gcwisse. Berufsfiili noch lange vorhanden, namentlich in Berufen,
derer liehe Verrichtungcn und
O!lliegcn!wilcn in allge\\'(~ Betütiguug sich bewegen, \\,('1111 bereits
tnts.ichlich l'l wisscr Defekt sich entwickelt hat, der sofort md wird, sobald eine
Änderung in der geforderlen Ar'! leislung Platz grcift, geringfügige Anforderungen
an ständiges Denken, an
eine Neuorientierung in der ;\ gestellt werden. Bekanntlich empfehlen
sich beim Ex; eines der
Paralyse vcrdüchtigcn Kr-anken auch H('( aufgaben, wobei i'n mehrfacher I I i ns.i ch l lypische \' nclnnungcn gemacht werden könncu.
Es ol'fl'nllan'll
die Vcrgcßl ichk ci tsbcwcisc, indem der I\. ru 11 kc Will spiel das kleine Einmaleins zwar klaglos beherrschl,
jl beim Addieren oder Multiplizieren vcrgiß], die Zellll( übertragen o. dergl. Es macht sich
ferner eine' ab; rasche Er 111 Ü d h a r k eil bemerkbar der-art, daß Will spiel bei der
Aufgabe, von 100 fortlaufend je sicln: subtrahieren, zunächst richtig 93, 86
geanlworlel wird,
|
seiner
Familie immer wieder Ruhe und Erholung fand, mit dem herrlichen Ausblick auf
die schöne Stadt, wo er so lange gewirkt hat, die aus ganzem Herzen kommenden
Geburtstagsgrüße und Wünsche für ein neues Jahrzehnt voll Glück und Segen.
|
Forensische Beurteilung der progressiven Paralyse
mit besonderer Borücksichtiguug, der Malarlatheraple. *)
Professor Dr. ALEXANDEU
PILCZ, Wien. 1.
Ich spreche vor Amtsärzten, nichl vor Studierenden der Medizin,
und will daher nur ganz Ilüchtig einiges aus der Klinik der progressiven
Paralyse lin Ihr Gedächtnis zurück rufen, ehe ich mich meinem eigentlichen Thema, der Be, glltac.hLung dieser Krankheit, speziell unter dem Gesichts w iuk cl der durch die Erfolge der Malari abehnudlung gc soluuleucn Suchlagc, zuwende, Für den Amtsarzt ist eigen t lieh nur der Initiulc und rernitücrte Pur alyl ikcr von
Wich-
\igkcil. .
Bekanntlich geht dem Manifestwerden unvci-xennbur er paralytischer Symptome meistens ein mehr minder langes Pro d r o m als Lad i um voraus, in welchem in rein psy chischer Beziehung palhognosfisclie Veränderungen über haupt nicht nachweisbar sind. Dieses Prodr-omalstadium lrügt klinisch die Züge einer Neurasthenie an sich mit Klagen über Heizharkcil, Denkerschwerung. mangelnde Kon zenLralionsrälügkeil,Schlarstörung, Kopfdruck. ja auch heftige, migrünarligc
Kopfschmerzen. Schon eine ge,l1auc
Er'hebungder Vorgeschichte lülH eine dernctigc "Neuras.lhen'ie"
recht "er düchllg
crschclncu. Irgend eine greirbare Ursache für die En l wickluug
des nem-asthen ischen Zustaudsbildes, wi e exzessive Übera.nslrengung, ungewöhnliche affektive oder intcl lektuclic
Iuanspruchunhrnc, schwere erschöpfende köi-pet-liche I<.raI11, heilen
oder dergleichen kann nicht 'nachgew,iesc'll werden j die "NervositäL" entwickelt sich anscheinend ganz von selbst, grundlos. Es liegl anderseits nicht köüs['i[u!i,oaelle n euro ti sehe
Minderwertigkelt vor; der Betrertende halte vordem niemals an seinen "Nerven" zu leiden gehabt. Dasselbe güL hinsichtlich der Kopfschmerzen. Speziell
l\ligrüneanfäHe bei einem Menschen in reifem Lebensalter, ohne gle·ichsinllige lIcreditäl, der früher
nie über Kopfschmerzen
zu klagcn geha,!>l halte, sind ungemein
omni.ös. Von aussohlnggebcudcr Bedeutung sind nun in diesem Stadium
somalische Befunde. Ich ci-innere zunächst an die
verschiedenen Pupillcnstörun gen, wie Anisokoric, Herabsetzung oder vollkommenes Fehlen der
Lichlrea.kl.i:on bei crhal Iencr nk k omrn orln! ivcr 1111d Konvergellzreaklion.
Diese Pupillensym ptomc sind selbst verständlich
nicht palhognoslisch für progre.ssi vc J> arulysc, sie finden sich auch bei Tabetikern, ja sie können
nur überhaupt Symptom einer einmal akquirierten syphiliti schen Erkrankung
sein; der Wert liegt darin, daß diese Erscheinungen sich dem Betrachter
sofort aufdrängen uncl ihn sohin veranlassen, eine Untersuchung des Blules und des Liquor ccrcbrospinalis vorzunehmen. Der nicht behan
delte Parnlyükcr weist schon in diesem Prodromalstadium ganz
charaktcrlstische 'humorale Befunde auf: 'N ass e r- 111 an n'schc Reaktion sowohl im Serum, wie im Liquor komplett positiv,
das heißt schon bei Verwendung geringer Liquormengen (0'2 cm-) star-k
positiver Ausfall der Reaktion; geringgl'adige Zcllvcrmclrrung (20-70), mit vorwiegend Iyrn
phozytürcn und mittleren monozytären Gebilden, sowie vcrciuzcltcn
Plasmazcllcn ; Gesarn teiweiß (nach Ni s s I ge prüft) mäßig vermehrt (0'03%, selten höher als 0'20/0); Globuline (geprüft
mittels der W eie h b r 0- d t'schen Subli
mutprobe. oder nach N -0 n n c - A pe I t, Pan d y) stark ver mclu-t ; die Goldsollösung wird bei allen stärkeren Konzcn-
|
') Vortrag,
im Amtsärzte-Fortbildungskurse am 6. Nov. 1934.
|
I. UUIII H:1~O.
|
NJt·.23.
|
rlag,buchhandlung Marltz Periei, lVicn, I., Seil erg
..... ,. Inumeratlonen nimmt entgegen der Verlag ,owie [ede andere Buchhandlung.
Po,I'parkassen-XoDlO Morltz Plrl .. , Wien, Nr.
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Anzeigen- Verwaltung,. Wien. I .. Adlurga,se 6.
Tel. R.21-a07, R-Il.a08.
|
85. Jahrgang.
|
621
|
VJiener
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Der Abonnementprela betrligt mit Poatzu8endung pro Viertel. Jahr
für Östorreloh B 10'-, Deutsohland JII 7.-, Jugollawlan Dinar IliO -, POlon Zl. u·-. rlOhoohOslowakel eR: 6~·-. Ungarn Pengö 10'-. lIalien Lir-e 30'-, Rumiinion Lei 500'-, .. der ..
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Preis der Einzelnummer S 1'- (M -'76, Schweizer lo'r. 1'-).
|
Erscheint jeden Samstag.
|
MI®~nLZnrmn&)(BIID®
WJ®®Till®J]}~~ThJTIJnill1
gan der
Gesellschaft für innere Medizin, der Gesellschaft für Kinderheilkunde in
Wien, der Laryngo-rhinol. Gesell aaft, der Gesellschaft für physikal.
Medizin, der Gesellschaft für Therapie, der Wiener Gesellschaft für Röntgen
nde, der Freien Vereinigung der Wiener Orthopäden, des Oesterreichischen
Aerztebundes zur Förderung der ibesübungen, der B~ophysikalischen
Gesellschaft für Kurzwellenforschung, der Gesellschaft für Mikrobiologie, r
Vereinigung der individualpsycholog. Aerzte in Wien, der Akademischen freien
Vereinigung für medizinische istesgeschichte, des Vereines für angewandte
PSYChopathOlogie und PSYChologie, des Akademischen Vereines
für
medizinische PSYChologie und . der Oesterreichischen Gesellschaft für
experimentelle Phonetik.
|
aktion pe. Porzellang.
22. Tel. A-16-4-80
|
Redakteur
Ohermedizinalrat Dr. A. Kronfeld
|
Administration
I. Seilerg. 4.
Tel. R-23.1-51
|
M. Sachs zum siebzigsten Geburtstage, 3. Juni 1935.
|
/. ,I "
|
Von J. MELLEß, Wien.
Wenn ich .es heute iiberneh.me, als Sprecher für die I den jungen Ärzten, jede Visite eines Assistenten,
wie S ac h s .lreichen Sch_tiler aufzutreten, die ~en 7~. Geburtstag Von
einer war, war für die jüngeren, ohne daß es uns selbst Sachs festlich
begeh~n, so verleiht mir dazu Vor allem so recht zum Bewußtsein kam, ein
fortwährendes Lernen,
Umstand die Berechtigung, ein täzlich
sich erneuernder Ge-
l,
als ich ,,:or n~~mehr fast I . . -
·-'l winn. t"Das Bcispiel der Ruhe und
Jahren.1n
d~~ ~hl11~{ Flic h si. ~jO" __ •.. ,,_,_~:~, .
•
U~erlegellheit,. der Folgerichtig,
OperatlOnszoghngelntrat,
der I 1{I/W\'l'
' .. '\ I keit und UnbeIrrbarkeIt des
Vor-
n~lige
erste Assistent der i
'. .
~I.' '\,._. '
gehens
des Älteren in Diagnose
11l~,
M. S a c h.s, alle ande:.en -, ~-$"\./ ~~'~ ';\\, I
und
Behandlung überträgt sich
gheder
an WIssen und Kön- I
~~ . . " Von selbst, ohne daß dabei
viel
I
weit überragend, mich in ~f
. \ ' gesprochen zu werden braucht,
I
engeren Kreis sein~r Famuli I
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~uf den j ünger en und
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w~ssensch~fthch ga~z un-r:·iiV;. /
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und, voll von Ideen, In· J ke n an der Klinik nicht In dem
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Fragen den den ist, so möge er heute
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daß sich Q
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/'- so vielen J ahrz ehnten zu seinem
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wohlbewußt . waren, wel- /fprI' l' ,///1. /. ~ 70. Geburtstage von einem derer,
I
Nutzen der Dienst unter . , I . . die den Wert
seines Einflusses
ihnen brachte. Die Jugend hat dafür einen eigenen auf die Erziehung
des Nachwuchses der Klinik erkannt , sie fühlt es genau, von wem sie etwas
lernen kann, haben, diese Worte der Anerkennung, gesprochen voll 'die
Erziehuns- des Nachwuchses in einer Klinik hängt dankbaren Sinnes, als ein
bescheidenes Festtagsangebinde nehr von de; dienstälteren Assistenten ab als
von dem entgegennehmen. Wenn eine ganze Reihe von damaligen f selber. Diese stehen in viel intimerer Beziehung zu jungen Ärzten und ebenso
später aus seiner eitenen Anstalt
"
|
H ,eller JUCCllZiilische 'Voehrllschrift 1935
|
n
Verletzungen 'größerer NetzhautO"efäße und konnte sich her nicht
einbürgern. Dazwischen b waren aber noch viele Iere Gedanken zur Beseitigung der AbhebunO"
in die Tat .gesetzt worden: Die Durchtrennung der Art~iae ciliares st, breves
zur Umlenkung der myopischen VeränderunO"en die Richtung der Aderhautatrophie,
die ja in einem ge .sen Gegensatz zur Netzhautabhebung steht, oberflächliche
I durchbohrende Kauterisationen, Einführung von Platin en: Punktionen mit
der Diszissionsnadel, alles nicht plan e Versuche, sondern wohlüberlegt und
von führenden danken geleitet. Sie erfüllten ganze Jahrzehnte der selbst
ndigen operativen Tätigkeit von S a c h s. Diesem un er dlichen Kampfe ist
es zuzuschreiben, daß er es doch zu 18 % Dauerheilungen brachte unter Einrechnung aller
:'egangenen
Fälle, worunter auch solche waren, die Von nherein als' ganz und gar
aussichtslos bezeichnet werden l'Sten, ja unter Hinweglassung dieser Fälle
ein Heilungs : Von 23'7 % erzielt wurde, der für die damalige Zeit außerordentlich hoch
bezeichnet werdr-n muß.
Alleinstehen
und scheinbar aussichtslos weiterkämpfen, ;t von viel höherer Wesensart und
wissenschaftlicher ~rzeugung, als abseits bleiben und billige Kritik üben.
Das
eigentliche wissenschaftliche Forschungsgebiet von : h s aber war die
Physiologie und Pathologie des Sehens, Studium der Erscheinungen der
Augenmuskellähmungen, Schielens und ähnlicher Probleme. Für diese Arbeits-
Itung war
seine Steliung als Assistent am physiologischen titut der deutschen
Universität in Prag vom Septern- 1890 bis Dezember 1892 unter Hering ausschlaggebend. eh s ist als Schüler H er i n g s zu bezeichnen. He ri n g
sein großes
Vorbild und H e ri n g s Forsch ungsrichtung ) S a c h s 'sein ganzes Leben
treu. S a c ? s verehrte H e g tief und aufrichtig. Schon aus dem Institute VOn r
in g erschienen mehrere physiologische Arbeiten Von
h s: Über die
spezifische Lichtabsorption des gelben .kes der. Netzhaut, über den Einfluß
farbiger Lichter auf v. eite der Pupille, mit Pr e tori zusammen messende
:rsuchungen Jes farbigen Simultankontrastes und andere chungen in diesem
Gebiete der Sinnesphysiologie setzte .ann selbständig als Assistent der
Klinik F u c h s (ab iber 1894) und als Privatdozent (1899) und später als
essor (1911) unentwegt fort i eine Ar~eitsrichtung, die de seines Chefs F u c h s ferü1io lag und
ihm, seinem en entsprechend, unabhängiges Denken und Forschen utete, Es ist hier nicht möglich, auf den
Inhalt der vollen Beiträge des Genaueren einzugehen. die S a c h s
1 seine Arbeiten für das Verständnis der
Erscheinungen, 'sondere beim Schielen, bei den Augenmuskellähmun_ lISW., geliefert hat. Ich hatte als junger Anfänger die
1 von S a c h 5 für eine Reihe von Untersuchungen sinnes
,ologischer Art beigezogen zu werden. Wenn die aus n oft recht mühevollen und
zeitraubenden gemeinsamen rsuchungen hervorgegangenen Arbeiten auch meinen .n
mittragen, so weiß niemand besser als ich, wie ge igig meine Mithilfe dabei
gewesen ist. Die zuerst ge -chaftlioh mit WI ass a k durchgeführten
Untersuchungen
d.e optische Lokalisation der medianen Ebene 11 zur weiteren Verfolgung ähnlicher Gedanken: Uber iptische Orien lerung
bei Neigung des Kopfes gegen )chulter, über 'die optische und haptische
Lokalisation -Jeigungen um die .Sagittalachse un~ schließlich über itümliche
Lokalisatlonsformen 10 ernem Falle hoch ger Netzhautinlwngruenz. Man muß
nur wissen, welche
:
Schwierigkeiten solche Untersuchungen in einer
; bereiteten,
deren Betrieb durch die ungeheure Zahl ährlich neu ankommenden Patienten (über 22.000) und
Jnterricht einer sehr hohen Zahl von Studenten, die .ssistenten tatsächlich
den ganzen Tag über nicht Zur kommen ließ. Erst die Nachtstunden konnten zu
diesen 'iuchungen verwendet werden, namentlich auch des I, weil bei den ärmlichen und beschränkten Raumver ssen der Klinik eine absolute Verdunkelung des Raumes,
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ß23
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die zur
Ausführung der Untersuchungen benötigt wurde, untertags gar nicht zu erzielen
war. So mußte die Nacht unser Freund werden. Da ferner die Untersuchungsräume
untertags wieder dem klinischen Betriebe dienen mußten, waren wir gezwungen,
die oft: komplizierte Versuchsanord_ nung jeden Abend neu aufzubauen und dann
wieder abzu räumen, was immer viel wertvolle Zeit gekostet hat. Es
gehörte wahrlich viel Begeisterung dazu, solche Studien unter den
geschilderten Verhältnissen zu betreiben. Aber S ach s hatte diese eben und
damit wurden alle Hindernisse gemeistert. Oft traten dann durch äußere
Umstände er zwungene Pausen in den Arbeiten und in der gedanklichen
Verarbeitung der gefundenen Beobachtungen ein. Wie schwierig war es dann,
sich wieder in das Thema hinein zufinden, wie schwierig war es schließlich,
den spröden Stoff sprachlich zu meistern, um ihn treffend und allen ver
ständlich darzustellen. Da wurde oft an einem einzigen Satz tage-, oder
besser gesagt, nächtelang gefeilt, da haben wir uns wirklich, wie Ho r a z es
beschreibt, oft den Kopf ge kratzt und die Nägel bis auf das Fleisch
gebissen, und oft mußte man den Griffel umkehren, das heißt das schon Auf
gesetzte ausstreichen und von neuem beginnen, um Wür diges zu schaffen:
Saepe caput scaberet vivos et roderd ungues. Saepe stiJum vertas,
iterum (luae digna Jegi sint Scripturus.
Ganz
meisterhafte Kabinettstücke S ach s'scher Arbeiten der jüngeren, durch die
Not der Zeit mehr auf die
praktische Ausbildung eingestellten Generation, die für diese Stoffe
kein Interesse aufbringt, wenig bekannt, zurnal da diese Arbeiten aus einer Zeit stammen, wo noch
nicht nach einem famosen Beschluß am Ende der Arbeit eine Zu- I sammenfassung gebracht werden mußte, damit
vielbeschäf- . tigte Herren nicht gezwungen sind, die ganze Arbeit zu lesen
und, wenn nicht leicht verständlich - zu studieren _ ergaben sich aus den
Studien über das Sehen der Schielenden, über das Alternieren der Schielenden,
über den Tastversuch, über die Frage der Mikropie, über Blick- und Kbpfbewe
gungerr, über labyrinthäre··Störungen der BIickbewegungen und vieles andere
dieser Art. Aus den letzten Jahren seien noch die besonders ;;eistvollen
Ausführungen über das Schielen und Stottern angeführt. Es bleibe nicht unerwähnt,
daß die von Ale x a nd c rund B:l r ä n y in der Zeitschrift für Physiologie und Psychologie
der Sinnesorgane erschie nenen Arbeiten nPsychophysiologische Untersuchungen
über die Bedeutung des Statolithenapparates für die Orientierung
im Raume an Normalen und Taubstummen· auf eine An regung von S a c h
s ausgeführt worden sind.
Außer dieser reichen wissenschaftlichen Tätigkeit war S ach s
zeitlebens auch in mancher anderer Beziehungauf bauend tätig. Daß in Wien
eine ophthalmologische Gesell schaft zustande kam, ist hauptsächlich auf das
Betreiben von S ach s und seiner tätigen Mithilfe zurückzuführen. Er hat die
Augenabteilung bei den Barmherzigen Brüdern neu eingerichtet und kurze Zeit
später die AugenaLJteilung im \Viedner Krankenhaus übernommen (l!ll-l), modern aus gestaltet und dort bis heute eine außerordentlich segens
reiche .:Tätigkeit entfalret, unterstützt von einer Reihe tüch-
tiger Arzte und Arztinnen, die
sich der S a c h s'sch en ,_
Führung mit Begeisterung hingaben. Schon im Jahre 1917
war S a c h s
in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Ver dienste zum wirklichen
außerordentlichen Professor ernannt worden, auch der Hofratstitel wurde ihm
verliehen ..
Wenn er nun auch mit dem gesetzlichen Alter von seiner geliebten
Arbeitsstätte Abschied nehmen muß, so übertrifft
S a c h s auch heute noch so manchen an Jahren viel Jüngeren durch
seine seit Jahrzehnten unverändert ge bliebene Arbeitskraft und
Arbeitsfreude. Heute, an dem \ Tage, da S a c h s sein 70. Lebensjahr, einen Abschnitt seines \ Lebens voller
Arbeit und Erfolge beendet, gedenken seiner . in Treue. Freunde und Schüler
und senden ihm auf seinen Ansitz, wo 'er' seit] ~h;zehnt!!n inJändlicher
Stille im Kreise
...
|
/=
uchtige _und. angesehene Ärzte geworden
sind, so ver anken sie diesen Erfolg ihrem unmittelbaren Vorzesetzten. st
der junge Schüler ein aufnahmsfähiger und ~ertvoller Iensch, so spiegelt sich
in ihm sein Leben lanc- der Ein uß des Lehrers. Die Früchte nehmen den
Geschmack des lodens an, auf welchem sie gewachsen sind. sagt Sc h 0 P e n . a u e r und V~' 2000 J ahren ermahnte Ho ra z in gleichem -mne die römische Jugend mit reinem Herzen sich früh
eitig den guten Lehren hinzuO"eben, denn
Quo semel est imbuta rec~ns,
servabit odorem Testa diu.
S a c h s verstand aber auch, unter der
heranwachsenden ugend Weizen von Unkraut nach kurzer Zeit zu unter .heiden,
und in strenger Disziplin machte er mit störenden [ementen raschen Schluß,
wohl wissend. daß Alles zu ssig wird, was in, ein unreines Gefäß gegossen
wird:
Sincerum est nisi vas,
quodcumque infundis, acescit. Allzu leicht freilich vergißt der Junge, was er
von dem Iteren gelernt hat, nicht immer nur aus Undankbarkeit, -ndern weil er häufig es gar nicht mehr weiß. was er les von ihm gelernt hat.
Als ich im Jahre 1908 meine phthalmic Surgery niederschrieb, war es mir nicht
anders ö~lich, als in summa im Vorwort dem seinerzeitigen ersten sststenten S
ach s, dessen Arzteschaft ich als Anfänger , der Ophthalmologie zugeteilt
gewesen war, den Aus ruck meines Dankes und meiner Ergebenheit abzustatten. -enn bei jedem
Verfahren, das ich beschrieb, war es mir nm er wieder klar, einen großen Teil
der wertvollen Einzel eiten Von S a o h s gelernt zu haben, nicht in irgend
welchen orlesungen, sondern durch das Zusehen und Mithelfen bei .inen
Eingriffen. Sach s war - darüber gibt es nichts zu den - gewiß der beste
Operateur unter allen Schülern in F u c h s. Aber was ihn besonders
auszeichnete, war cht die ihm von Natur gegebene technische Fähigkeit iner
Hände, sondern der Geist, der das Messer lenkte und -n einer Sekunde zur anderen das weitere Vorgehen be
mmte, je nach Bedürfnis ändernd und neues schaffend. r ht zufällig wurde er
nach seinem Austritte aus der Klinik r am meisten gesuchte und beschäftigte
Operateur. Zu .sem Erfolge hat noch ein dritter Umstand beigetragen: .in
Optimismus. Dieser ließ ihn noch Fälle angehen, wo 1 anderer, weniger hoffnungsfreudig, weniger geneigt, sich schwierige
und gewagtet'e-Unternehmen einzulassen, oder .h vermeintlich einer .Mühe ohne
Zweck" zu unterziehen, .h zurückgezogen hatte. Ja anfänglich waren es
gerade [ehe Fälle, die ihm den Ruf des den Anderen Weitüber ~enden
eingetragen hatten, wo er die von ihm gestellte te Prognose durch seinen
Operationserfolg bewies, wäh id Andere Von dem Eingriff
abgeraten hatten.
Es ist begreiflich, daß sich
diese besondere Begabung
r operativen Tätigkeit in einer
ganzen Reihe von wissen raftliehen Veröffentlichungen zum Ausdruck brachte. Seine
.te Arbeit aus diesem Gebiete betrifft einen Bericht im Ire 1898 über 'den
Gebrauch von Sideroskop und Riesen .gneten, welche beide Instrumente im
Jahre 18!J5 auf der inik F u c h s zum ersten Male in Anwendung gezogen -rden waren. Diese Arbeit ist die einzige ophthalmologische hülerarbeit von
S a c h s, da ihm das Thema von E. F u c h s r Bearbeitung und zur
Berichterstattung übergeben worden .r. Im Jahre 1\:103 teilte S ach s in der Münchner
Medi iischen Wochenschrift seine von ihm erdachte Durch IChtungslampe mit,
die rasch Eingang in den augenärzt hen Gebrauch fand und seither unter dem
Namen der eh s'schen DurchleuchtulIg-slampe allgemein in Anwen-
Ig steht. Schon früher hatte S
ach s auf die Möglichkeit gewiesen, mit Hilfe der Durchleuchtungslampe
intraoku ~ Fremdkörper sichtbar zu machen. So war es durch c h s möglich
geworden, nichtmagnetische Fremdkörper
dem ·GlaskÖrperraum durch einen Einschnitt in der
era herauszuziehen und damit die Augen zu erhalten, irend früher solche Augen
ohne Ausnahme rettungslos loren waren. In jener Zeit beschrieb er auch die tempo,
|
"tnn:,· lllCllIZUlJSCIIC W ocheusclu-nt 1:):$;)
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Nr.23
|
räre Narbentrepanation zur Lösung Von vorderen
Synechien ein Verfahren. das mir Wiederholt ganz vorzöztiche Dienst: geleistet hat;
ferner auch das von ihm erso;nene und er probte Verfahren der Präparation
eines einheitlichen Haut lappens mit Hilfe der Iridektomielanze zur Deckung
größere . Defekte bei Lidplastiken : eine Methode, von der ich aucl beute nur
beste Erfolge zu berichten vermag. Der Festschrif für F u c h s im r abre 1921 widmete S a c h s sein
'bis dahir noch von Niema'nd versuchtes Verfahren der transpalpebraler:
Eröffnung der vorderen Kammer. Schon im Jahre 1n15
hatte er darüber die erste Mitteilung erscheinen lassen. Nur ein Meister der
Technik wie S a c h s konnte der sich auf diesem v.,' ege entgegenstellenden Schwierigkeiten Herr werden. Eröffnung des
Auges von jenseits des Bindehautsackes aus, so daß von diesem aus keine
Infektion der Augenwunde eintreten kann, war die Idee des kühnen
Unternehmens.
Im Jahre 1925 brachte Sach's ein Von ihm neu
ersonnenes Verfahren zur operativen Beseitigung des Blepharospasmus senilis.
Es besteht darin, daß ein Teil des Levator palpebrae: als Gegenwirker des
Orbicularis in eine durch Durch trennung: der Fasern des Orbicularis gesetzte
Lücke eingenäht wird.!
Für ganz besonders verdienstvoll aber erachte ich
den i Kampf, den S a c h s hier in
Wien durch Jahrzehnte allein für; die Operation der Netzhautabhebung geführt
hat. E. Fu c h s' stand der Netzhautabhebung
thempeutisch nihilistisch gegen.:, über. Ich habe schon einmal in der
Ophthalmologischen Gesellschaft in Wien auf. die damaligen Zustände in dieser
Hinsicht hing-ewiesen. "Bei der Überfülle an operativem Material für
Star- und Glaukomoperationen waren die Pa tienten mit Netzhautabhebung keine
willkommenen Gäste an der Klinik, Man wußte eben aus Erfahrung, daß die
Behandlung dieses Leidens so gut wie aussichtslos ist .. Schwere Fälle wurden
daher als unheilbar von. vornherein' abgewiesen, Fälle, die ein etwas günstigeres
Bild boten,' wurden der gewöhnlichen schematischen Behandlung zuge-' führt:
SChwitzkuren, Druckverband, subkonjunktivale Koch salzinjektionen, auch
Einreibungen mit grauer Salbe. Der Erfolg war - wie wir heute sehr wohl
verstehen. können _ so gut wie immer Null. Dann wurde der Patient _. meistens
ohnehin schon psychisch zermürbt durch die lange und oft quälende,
schmerzhafte Behandlung - mit der Trostsalbe U:1g. kal.jod. ungeheilt wieder
entlassen. Gelegentlich wurden vereinzelte Punktionen mit dem G r a e f
e'schen Messer ver sucht, auch Absaugung der Flüssigkeit mit der Spritze,
auch mit Wiedereinspritzung der Flüssigkeit in den Glaskörper, und das so gut
wie immer negative Ergebnis bestätigte nur die rihilistische Einstellung,
weiter nichts mehr zu unter nehmen. Durch den Sieg der Leb e r'schen
Anschauung, daß die Netzhaut infolge der Schrumpfung von Häutchen an ihrer
inneren Oberfläche abgehoben worden sei, wurde die Überzeugung, daß die
Behandlung einer Abhebung von vornherein aussichtslos sei, scheinbar fest
begründet.
In allen diesen Jahren vollständiger Apathie und
stumpfer Resignation diesem Leiden. gegenüber bemühte sich S ach s in seinem
schon vorher gekennzeichneten Optimismus ungebrochenen Mutes um die
Ausgestaltung der operativen Behandlung der Abhebung. Alle offenen und
versteckten Kritiken konnten ihn nicht davon abbringen, unablässig und
systematisch weiter zu arbeiten. Und da er doch, der Theorie zum Trotze, in
einer gewissen Anzahl L von Fällen, oft nach vielen Eingriffen, eine Dauerheilung
erzielte, so mußte sich seine Uberzeugung aufrecht erhalten und weiter
stärken: es müsse doch einmal gelingen, auch
in einer größeren Prozent zahl von Fällen die
Heilung zu erzwingen. Im Jahre 1907 trat er für eine .. ausgiebige Inzision
der Sklera im Abschnitte hinter dem Aquator des Auges ein, konstruierte sich
dazu ein eigenes Sichelmesser und
es ist einem heute ja klar, daß er damit bei
gewissen Fällen die uns heute wohlbekannte Abriegelung der Abhebung er
reichte, damit sie nicht weiter nach rückwärts gegen die zum Sehen wichtigen
Abschnitte des Auges vordringen könnte. Das Verfahren hatte aber den Nachteil
der Gefahr
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624
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trntionen, das heißt größcren Mongen Liquors im Vcrh nlssc ZUr
Konzentration der Goldsot:!üsung,
vollsltll1di:..( weiß cntlürbt, lind erst hei den stürkcrcn.
Vcrdüuuun erfolgt der Farbenumschlag über 'hellblau, blau usw. zu Im schrHtlichcn Befunde wird dies entweder graph i durch eine ganz Iypischc stufcnförI1lige Kurve, die :-,c nannte "Paralysdwrve" ausgedrückt, oder 'durch
Zilll clwu 66(;6321. '
Allmählich
gcrüt der Kranke in das sogenannte 1 li als Lad i
u 111, in welchem
nunmehr der Ncur astlu Ircmuc, für Paralyse bereits chnrnkteristischc Symplo
zunächst andeu tungswcisc, im wei leren Ver-laufe i II im; stärkerem Ausmaße zur Beobachtung gelangen.
Die He i z
bar k ci t nimmt zu
und führt zu Enllnr gen,' deren
Form und Intensität in schroffem (;rgl'lIs nicht nur zur jeweiligen, of'l ganz nichligen Vcr anl nssu ursache, sondern vor allem zu der sonstigen psych i:«; Per-sönlichkeit des Kranken steht. Ein vor-dem sel'lellsg Mann, mit
tadelloser "Kindel'sluhe" und Umgnugslor:
Hißt sich zu Sc h i m p lrcdc n und Aus dr ü ck c n hi nrr-i ßcu. w i.r sie ctwu n u s dem Mu n dc c i nrs hcLru n k c ncn Seil' Iulu-wcrk skutschcrs zu ]I(',,'CII hcJU)JlJIIIl'll,
ja :1Il-cll ZII lirihkcitcn. l icsondcrs kounzcichncnd isL dabei etwas, sich nun wie ein roter Faden durch
!!oie Klinik der I'ar<l vorfolgen lü ßl.: die m a n g cI u d c
Einsichl. Der KrI empfindet, SObald
der Zornausbruch verpuffL ist, w'! neue, noch
Verlegenhe.il; er Ii ndct überhaupt nichts all lcnclcs an diesen rohen Szenen, ist sich dieser seiner I r-aktorvcrändcruug nicht bewußt. Dasselbe hißt sieh" züglich einer zwci l cn Arl von paralytischen Sym ptu sagen, von der zunehmenden Zer s LI' c u L h
eil und 1 gc ß li c h k c i l. Dem Kranken
widerfahren eine Heilil~' Zerslreulheilsaklen, deren jeder einzelne für
sich!'
tr achtct, auch jedem Cesllndcn p assi cr-cn k öuut c. Bez,' ncncl isl erstens die sliindi,g u ud rapid anwachsende I L'I k ci l dcrru-ligcr Vorstöße, zweitens die mangelnde
Eins der Kranke merkt gar nicht, daß Cl' vc rgcßl ich gC\\'li sei, macht sich danüber keine Gedanken,
versucht es I; durch ullcrlci mnemotechnischc l\.lInstgrirrc gegen dit'; g('ßlichkeit sich zu schützen. Der Krnul«: liWl
heim! lassen seiner \Vohnung cli« Türe uuvcr-spcrrt, vcrgil; das Lichl abzuschalten,
zahlL bei einem kleinen Einl mit einer gr ößcrcn
Banknote und cutlernt sich, ohne Restbelrag sich herausgehen zu lassen, Iühr t auf der, ßcnbalm an der ll altes+el'lc vorüber, an der Cl' hülle:
steigen sollen, gehl in mangelhal'ler Toilelle auf die St lrügl wichtige Korrespondenzen lagelang mit sich lH sl a.l L sie zur
Posl zu bef'ordcrn u. dg1. Von diesem) lassen des
Gediichlnisscs werden anfangs nichl alle sl cllungcn in gleichem Ausmaße in i\lillcidcnschart gl'Z Allgc:woI1l11e., sozusagen
"ausgeschlirrl'ne" Buhneu 1111 uiorcn noch
tadellos, währcucl das Gcdüchtnis für:
Daten frisch erworbene Kenntnisse 1IS\\'. schon mct gelillc'n hat. Es isl daher eine gewisse.
Berufsfiili noch lange vorhanden, namentlich in Berufen, derer liehe
Verrichtungcn und Ollliegcnlwilcn in allge\\'(~ Betütiguug sich bewegen, \\'l'1111 bereits
tnts.ichlich cl wisscr Defekt sich
entwickelt hat, der sofort md wird, sobald eine Änderung in der geforderlen
Ar'! leislung PI atz grei It, gcri ngfügige
Antordcru ngcn an ständiges Denken, an eine Neuorientierung in der ;\ gestellt werden. Bekanntlich empfehlen
sich beim Ex; eines der
Paralyse vcrdüchtigcn Kr-anken auch H('( auf'gabcu, wobei i'n mehrfacher I I i ns.i ch l
lypische \' nclnnungcn gemacht werden könncu. Es ol'fl'nllan'll
die
Vcrgcßllchkcltsbcwcisc, indem der Kr-unke Will spiel das
kleine Einmaleins zwar klaglos beherrschl, jl beim Addieren oder
Multiplizieren vcrgiß], die Zellll( übertragen o. dergl. Es macht sich ferner eine' ab; rasche Er ll1 Ü d h a r k eil bemerkbar derart, daß Will spiel bei der Aufgabe, von 100 fortlaufend je sicln: subtrahieren, zunächst richtig 93, 86 geanlworlel
wird,
|
seiner
Familie immer wieder Ruhe und Erholung fand, mit dem herrlichen Ausblick auf
die schöne Stadt, wo er so
lange gewirkt hat, die aus ganzem Herzen kommenden Geburtstagsgrüße und
Wünsche für ein neues Jahrzehnt voll Glück und
Segen.
|
Forensische Beurteilung der progressiven Paralyse mit besonderer Borücksichtiguug, der Malarlatheraple. *)
Professor Dr. ALEXANDEU
PILCZ, Wien. 1.
Ich spreche vor Amtsärzten, nichl vor Studierenden der Medizin,
und will daher nur ganz
Ilüchtig einiges aus der Klinik der progressiven Paralyse lin Ihr Gedächtnis zurück rufen, ehe ich mich meinem eigentlichen Thema, der Be, glltac.hLung dieser Krankheit, speziell unter dem Gesichts w iuk cl der durch die Erfolge der Malari abehnudlung gc soluuleucn Suchlagc, zuwende, Für den Amlsarzt ist eigen t lieh nur der Initiulc und rernitücrte Pur alyl ikcr von
Wich-
\igkcil. .
Bekanntlich geht dem Manifestwerden unvci-xennbur er paralytischer Symptome meistens ein mehr minder langes Pro d r o m als Lad i um voraus, in welchem in rein psy
chischer Beziehung palhognosfisclie Veränderungen über haupt nicht nachweisbar sind. Dieses Prodr-omalstadium
lrügt klinisch die Züge einer Neurasthenie an sich mit
Klagen über Heizharkcil, Denkerschwerung. mangelnde Kon zcnLralionsrälügkeil,Schlafslörung, Kopfdruck. ja auch heftige,
migrünarligc Kopfschmerzen. Schon eine ge,l1auc
Er'hebungder Vorgeschichte lülH eine dernctigc "Neuras.lhen'ie" recht "er düchllg
crschclncu. Irgend eine greirbare Ursache für die En l wickluug
des nem-asthen ischen Zustaudsbildes, wi e exzessive Übera.nslrengung, ungewöhnliche affektive oder intcl lektuclic
Iuanspruchunhrnc, schwere erschöpfende körperliche Krauk heilen oder dergleichen kann nicht 'nachgew,iese'll werden j die "NervositäL" entwickelt sich anscheinend ganz von selbst, grundlos. Es liegt
anderseits nicht köüsloiluli,oaelle n
euro ti sehe Minderwertigkelt vor; der Betrertende
halte vordem niemals an seinen "Nerven" zu leiden gehabt. Dasselbe goilL hinsichtlich der Kopfschmerzen. Speziell
l\ligrüneanfäHe bei einem Menschen in reifem Lebensalter, ohne gle·ichsinllige lIcreditäl, der früher nie über
Kopfschmerzen zu klagen geha,!>l halte,
sind ungemein omni.ös. Von aussohlnggebcudcr Bedeutung sind nun in
diesem Stadium somalische
Befunde. Ich erinnere zunächst an die verschiedenen Pupillcnstörun gell, wie
Anisokorie, Herabsetzung oder vollkommenes Fehlen der Lichlrea.kl.i:oll
bei. erhaltener ak k ornm orln! i ver 1111d Konvergenzreaklion. Diese Pupillensym ptomc sind selbst verständlich
nicht pathognoslisch für progre.ssi vc I> arulysc, sie finden
sich auch bei Tabetikern, ja sie können nur überhaupt Symptom einer einmal
akquirierten syphiliti schen Erkrankung sein; der Wert liegt darin, daß
diese Erscheinungen sich dem Betrachter sofort auldrüngeu und ihn sohin veranlassen, eine Untersuchung des Blules
und des Liquor ccrcbrospinalis vorzunehmen. Der nicht behan
delte Parnlyükcr weist schon in diesem Prodromalstadium ganz charaktcrlstische 'humorale Befunde auf: 'N a s s e r- 111 an n'schc Reaktion sowohl im Serum, wie im Liquor
komplett positiv, das heißl schon bei Verwendung geringer Liquormengen (0'2 cm-) star-k positiver Ausfall der Reaktion; geringgradige Zellvermehrung (20-70), mit
vorwiegend Iyrn phozytürcn
und mittleren monozytären Gebilden, sowie vcrciuzcltcn Plasmazcllcn ; Gesarn telweiß (nach Ni s s I ge prüft) mäßig vermehrt (0'03%, selten höher als 0'20/0); Globuline (geprüft mittels der W e i c h b r 0- d t'schen Subli mutprobe. oder nach N -0 n n c - A p e 1 t, Pan d y) stark ver mclu-t ; die Goldsollösung wird bei
allen stärkeren Konzcn-
|
') Vortrag,
im Amtsärzte-Fortbildungskurse am 6. Nov. 1934.
|